Der Quellstein
Hoch in den Bergen entspringt aus einer Quelle der Fluss der Sprache. Ein tiefer Stollen führt hinab in das Gestein aus dem unbändig viele, viele Wörtchen und Wörter und auch so manches Wort quillt, als wären Sie Wasser. Und dieses Wasser tränkt das Land, lässt Nahrung wachsen und Mühlräder drehen, es löscht den Durst und lässt Schiffe fahren, Menschen verbinden und wäscht den Schmutz aus den Kleidern.
Im Quellbecken liegt der große Stein des Unsagbaren unter dem Wasser. Nur manchmal hebt das Aufsteigende den Stein an und lässt ihn kurz auftauchen. Von außen ist er schwarzweiß marmoriert. Das Aufsteigende bringt so manches mit aus dem Tiefen: Weißes, Graues und auch Dunkles, das sich größtenteils am Stein anlagert. Wer genau hinsieht, kann erkennen, dass sich das Helle zum Hellen und das Dunklere zum jeweils Dunkleren lagert. So hält der Quellstein viel Unsägliches und Unsagbares zurück.
Der Stein birgt den Zauber, das Dunkle, das sich anlagert, nach und nach in sein Innerstes zu transportieren und dort zu verschließen. Manchmal aber kann es sein, wenn Worte lange genug im Quellbecken bleiben, dass der Stein ein wenig seiner hellglitzerndsten äußersten Schicht an sie abgibt. Diese Worte schillern dann in allen Farben, manche leuchten in der Nacht. Sie lassen Verdorrtes erblühen, können heilen und Menschen verändern. Doch nur denen, die lange an der Quelle ausharren und immer wieder übend aus ihr schöpfen gelingt es, ein paar Tropfen davon zu bekommen. So kommt es, dass von Zeit zu Zeit unsagbar Schönes Geist, Gedanken und Herz erfrischen kann. Direkt aus der Quelle für Einzelne geschöpft in Liebkosungen, oder doch für Viele, den langen Fluss der Sprache hinabfließend in Gedichten, Geschichten und Bonmots.
Doch die Kunst des an der Quelle Wartens beherrschen nicht viele. Manche sind schon mit Hämmern und Brecheisen losgezogen und wollten das Helle des Steines in großen Mengen bergen. Doch, so wie der Zauber des Quellsteins das Dunkle nach innen bringt, so verwandelt er jedes Stück, das mit Gewalt gebrochen wurde, in braunen stinkenden Schlamm.
Derzeit brechen Sie schon so lange am Stein, dass einige am Fluss sich an den Beigeschmack gewöhnt haben. Ja mehr noch: Weil so selten das hellglitzernde Wortwasser ihre Lippen benetzte, beginnen sie zu glauben, das Brackwasser sei das Wunderbare. Und sie bejubeln die Steinbrecher. Und manch einer von denen, die es besser wissen müssten, steigt nun auch mit hinauf, beginnt nun auch den Stein zu brechen, auf dass der Jubel des Tales auch ihm gelte.
Und in der trüben Brühe wird es schwerer und schwerer noch Glitzerndes zu finden. Und wenn sie so weitermachen, wird der Stein so klein werden, dass der in den Stollen sinkt und diesen verschließt.
Und dann?
Januar '25
Umso b‘schissener die Zeiten,
Umso angstvoller der Blick:
Eines wiss’mer: „Nee die alten
Zeiten woll’n’mer nich‘ zurück!“
Einen Zaun drum? 40 Jahre
Hatten Zonies das – genug!
Und was vorher war? Bewahre
Uns der Herrgott vor dem Spuk!
Wir woll‘n Menschen sein und bleiben,
Menschlich allen zugewandt!
Bess’rer Zukunft zuwärts treiben
Möge mit uns unser Land.
Doch das wird leider nicht gehen
In der Tasche mit den Händen.
Willst Du bess’re Tage sehen?
Musst Du selbst Dich dahin wenden.
Musst versöhnen Dich und streiten,
Diskutieren, widersprechen,
Dich erinnern an die Zeiten,
Die nicht wieder vor soll‘n stechen.
„Das wird einfach!“ Das sagt Niemand.
Wer das sagt, dem glaube nicht!
Vor uns liegt manch schwierig Umstand,
Vor uns liegt bestimmt Verzicht.
Dieses: „Höher! Schneller! Weiter!“
hat der Welt nicht gutgetan.
Wir woll’n „Ehrlicher und Fairer“
Und wir woll’n, dass heut‘ fängt an,
Das zu wachsen, zu entstehen
Was der Welt zuträglich ist.
Wenn Du mitmachst, kann das gehen,
Dann auch Du die Zukunft bist!